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Statt eines Rasenmähers nahm er die Firma mit

Es ist ein alter Witz, aber ich habe ihn schrecklich gern. Und man könnte ein wenig eine Parallele zu mir finden. Doch zunächst der Witz:
Statt eines Rasenmähers nahm er die Firma mit

In einem riesigen Hypermarkt stellte man einen neuen Verkäufer ein. Der Chef nimmt ihn für einen Tag zur Probe, um zu sehen, wie er sich bewährt. Nach Ladenschluss ruft er ihn zu sich ins Büro. „Wie viel Verkäufe haben Sie denn heute gemacht?“ „Einen, Chef.“ „Was denn? Einen? Unsere Verkäufer machen durchschnittlich sechzig bis siebzig Verkäufe täglich! Was haben Sie den ganzen Tag gemacht? Und welchen Umsatz haben sie eigentlich gemacht?“ „Hundertachtzigtausend Dollar“. Dem Chef verschlug es die Sprache. „Hundertachtzigtausend? Mein Gott, was haben Sie verkauft?“ „Nun, zuerst habe ich einen kleinen Angelhaken verkauft …“ „Einen Angelhaken? Für Hundertachtzigtausend?“ „…dann habe ich den Kunden davon überzeugt, dass er noch einen mittleren und einen großen Haken nehmen könnte. Dann habe ich ihn überzeugt, dass er auch einige Angelschnüre nehmen sollte, ich verkaufte ihm drei Angelruten – eine kleine, eine mittlere und eine große. Ich kam mit ihm ins Gespräch und fragte ihn, wo er angeln wird. Er erzählte, auf einem Kap zwanzig Meilen nördlich. Also habe ich ihm noch eine ordentliche Windjacke verkauft, wasserdichte Hosen und Gummistiefel, weil dort der Wind ziemlich bläst. Ich überzeugte ihn, dass die Fische am Ufer wenig anbeißen, so gingen wir, ein Motorboot aussuchen. Dann fragte ich ihn, was für ein Auto er hat und er gab zu, ein recht kleines, für das Boot würde es nicht reichen. So verkaufte ich ihm noch einen Anhänger und ein Auto.“ „Na das ist je großartig. Und das alles haben Sie jemandem verkauft, der einen einzigen Angelhaken kaufen wollte?“ „Nein. Ursprünglich kam er, um für seine Frau Damenbinden zu kaufen. Da habe ich ihm vorgeschlagen, wenn er ja am Wochenende wenig Spaß haben wird, dass er wenigstens Angeln gehen könnte.“

Es war Ende Oktober, Anfang November und im Büro in Prag-Modřany erschien unangemeldet ein Bursche im mittleren Alter und wollte einen Edwin kaufen. Er war recht energisch, wusste, was er wollte, doch war zu sehen, dass er über mich oder die Firma wenig wusste. Eigentlich überhaupt ein Rätsel, dass er uns über Google gefunden hatte und gleich hereinschauen kam. Zu der Zeit hatten wir dort einen Prototyp. Er schaute sich ihn an und wir vereinbarten, dass ich ihm im Frühjahr einen fertigen Edwin zeigen komme und wenn ihm das Mähen gefällt, dass er ihn gleich behält.

Inzwischen geschah Ungeahntes und der Fertigungsanlauf begann sich stark zu verzögern. Den Burschen hatte ich fast vergessen, bis er irgendwann im März wieder erschien, jetzt an der neuen Adresse in Prag-Braník. Und wieder hatte ich nichts, was ich ihm anbieten konnte. Wieder nur eine Maschine der Vorserie. So wie den anderen versprach ich ihm im guten Glauben, dass wir wohl im Mai bereits richtig zu fertigen beginnen.

Da wusste ich bereits, dass wir ohne weitere Finanzmittel einfach höchstens bis Ende 2015 bestehen können. Die Suche nach Investoren oder Finanzen war meine Aufgabe Nummer eins, alles andere war nun Nebensache und ich suchte nach Möglichkeiten, die Lage zu bewältigen. Nur, zu einer Zeit, in der einem das Wasser bis an den Hals reicht und man nach Jahren übermenschlicher Anstrengungen recht erschöpft ist, geht alles schlechter und der Optimismus lässt nach. Den Kopf voller düsterer Gedanken schreckte mich eines Abends das klingelnde Telefon auf. Die Stimme auf der anderen Seite meldete sich: „Guten Tag, hier Mareš, ich rufe an, ob Sie schon den Rasenmäher für mich haben?“ Ja, es war der Bursche, der geduldig, so wie die meisten Kunden, auf seinen Edwin wartete. Als er ihn erneut vertrösten musste, dass es immer noch nicht so weit sei, fragte er: „Und wo liegt denn das Problem?“ Und nach dem alten guten Motto „mit der Wahrheit verdirbst man nichts“ sagte ich: „Es liegt am Geld.“ Und er darauf: „Das habe ich mir gedacht, schon im Herbst, dass etwas nicht in Ordnung ist.“ Und setzte fort: „Mich würde das schon interessieren, wollen wir uns nicht treffen und darüber sprechen?“ Ich sage: „Sehr gern, für mich gibt es keine größere Priorität, als die Finanzlage von Swardman zu lösen.“

Gleich am nächsten Tag trafen wir uns um 11 Uhr vormittags in einem Restaurant. Eine Weile stellten wir uns gegenseitig vor, sprachen über unsere Erfahrungen und Vorstellungen, das ging auch über das Mittagessen so weiter, dann begannen wir, weitere und weitere Dinge zu besprechen. Gegen vier fuhren wir in meine Firma nach Braník, wo wir uns an den Computer setzten und bis etwa sieben Uhr abends über Zahlen sprachen. Ich sagte mir – das erste Treffen und gleich 8 Stunden lang, das ist ein vielversprechender Anfang. Ebenso wie bei vielen anderen Leuten, die ich angesprochen hatte, zeigte sich wieder dieses und jenes ABER. Zu den ABERS gehörte auch das Misstrauen, ob der Edwin wirklich so viel anders mäht als ein Sichelmäher. Davon konnte ihn eine einzige Präsentation bei ihm im Garten überzeugen. Obwohl ich diese Zweifel ausräumte, spürte ich immer noch etwas in der Luft, dass Herr Mareš nicht einsteigen würde.

Nach etwa einer Woche, das war schon im Juni, zeigte er sich wieder bei uns in der Firma. Und er kam, um mir zu sagen, dass er nicht mit mir zusammenarbeiten kann, weil er noch ein anderes Projekt vorbereitet, ein wesentlich größeres, und dass er nicht zwischen zwei Stühlen sitzen wolle. Außerdem hatte er auch seinen Neffen bei Swardman einbinden wollen, der die Finanzen und das Kaufmännische unter sich haben sollte, doch der konnte sich aus zeitlichen Gründen auch nicht engagieren. Da nach meinen vorherigen Erfahrungen dieses Ergebnis sehr wahrscheinlich war, war ich auch nicht weiter überrascht. Trocken teilte ich ihm mit, dass wir die angefangene Serie fertig stellen und dann Schluss machen werden. Das nenne ich schon Verkaufspsychologie. Ich nannte ihm ein paar aktuelle Zahlen, wie ich das sehe, doch dass sich da nichts ändern lässt. Es gelang, er verließ die Firma mit den Worten, dass er doch irgendwie helfen wird.

Herr Mareš machte sich intensiv daran, zu helfen, schließlich entschloss er sich, den Anteil von Petr Zapletal zu kaufen. Er begann zu verhandeln, doch dann kam im Juli die Urlaubszeit und alles begann sich hinzuziehen. Zuerst dachte ich, dass wir das bis Ende Juli durchziehen müssen, doch immer noch war das Herangehen recht lau. Bei Herrn Mareš lief sein ursprüngliches Projekt irgendwie nicht so richtig und dazu hatte nun auch sein Neffe Radek mehr Zeit. Letztendlich entschieden sich die beiden, den Anteil gemeinsam zu kaufen. Doch nun griffen die Rechtsanwälte ein und in mir wuchs das Gefühl, dass sich die beiden Parteien nicht schnell einigen wollen. Jeder hatte seine Wahrheit und ich konnte das nicht beeinflussen. Der August verfloss und immer noch wurde verhandelt und an den Verträgen gefeilt. Es war eine verzweifelte Lage für mich, ich hatte andere Möglichkeiten, mit jemandem zu verhandeln, aber hier war das bereits so weit, dass ich es nicht beenden wollte. Und ich hatte keine Kraft mehr, alles mit jemand Anders von vorn zu beginnen. Ich wusste, dass meine Arbeit vollständig stillstehen würde. Und ich wollte so viel angefangene Rasenmäher wie möglich ausliefern. Am Montag war die Lage so und zwei Tage später wieder anders. Man konnte sich nicht auf die Arbeit konzentrieren, denn immer noch war nicht klar, wie das Ganze ausgeht. Wenn man Ihnen das Herz transplantiert, werden Sie sich wohl kaum darauf konzentrieren, ob Ihre Fingernägel schön geschnitten sind.

An einem Donnerstagmorgen kam ein neuer Kunde und sagte, dass er bis Mitternacht meinen Blog gelesen habe, dass ihm das alles gefällt und er lobte uns, dass wir das super machen. Das war positive Energie, die ich so dringend benötigte. Ich begann nachzudenken und sagte mir, dass ich eine gleichwertige Beziehung zu den neuen Gesellschaftern schaffen kann. Eine solche Motivation wie ich kann ja niemand in dem Projekt haben. Auf einmal hatte ich das Gefühl, dass ich in die ganzen Verhandlungen eingreifen und sie beenden muss. Eine Weile sammelte ich Mut und dann nahm ich das Telefon und rief Herrn Mareš an: „Das ist nichts Persönliches, ich kann das nicht richtig erklären, aber es ist zu Ende, ich will nicht weiter mit Ihnen und auch nicht mit Petr Zapletal verhandeln.“ Auf der anderen Seite der Leitung war Herr Mareš offenbar überrascht. Er versuchte, Details und die Gründe von mir zu erfahren, doch das gelang ihm nur teilweise. Er setzte sich ins Auto und war im Moment bei mir. Wir gingen essen, wo er aus mir herauszuholen versuchte, weshalb ich eine solche unbegreifliche Entscheidung getroffen habe. Ich versuchte, es ihm zu erklären. Nur schwer vermochte ich meine Beweggründe in Worte zu fassen. Es war einfach ein inneres Gefühl, es war keine Vernunft, sondern Intuition, Unterbewusstsein. Mit der Zeit fasste ich es zusammen, dass meine Motivation war: „lieber sterbe ich im Kampf als mit den Händen im Schoß am Tisch“. Ich wusste nicht, wie ich die Firma Swardman ohne Geldgeber aus ihrer komplizierten finanziellen Lage befreien sollte, doch ich wusste, dass es in meinen Kräften ist, eine Lösung zu finden.

Herr Mareš begriff den Ernst der Lage und begann, detaillierter zu beschreiben, wozu er und sein Neffe Radek bereit sind, welche weiteren Schritte sie planen, um Swardman rasch dorthin zu bringen, wohin auch ich die Firma haben will. Das waren Dinge, die wir schon seit langen abgestimmt hatten, bei denen 100 % Übereinstimmung herrschte. Aber jetzt präsentierte er sie in klaren Umrissen. Ich erbat mir Bedenkzeit bis zum nächsten Morgen.

Am Morgen trafen wir drei uns, Pavel Mareš, Radek Mareš und ich. Es war eine große Veränderung in ihrem Herangehen zu sehen, ihre Motoren zündeten endlich auf volle Leistung. Ich sagte, wenn Sie bis Ende August ihre Verhandlungen mit Petr nicht zu Ende bringen, höre ich ab September auf zu arbeiten und nehme mir den ganzen Urlaub. In meinem Kopf schwirrten verschiedene Szenarien.

Schließlich wurden die Verhandlungen doch noch bis Ende August abgeschlossen, die Verträge wurden am 2. September 2015 um 17 Uhr unterzeichnet. Meine neuen Partner sind Pavel Mareš und Radek Mareš. Von Anfang an erfüllen sie ihre Aufgaben und beteiligen sich sehr aktiv am Gang des Unternehmens. Für mich wurden die Sorgen wesentlich weniger, fast ungewöhnlich wenig.

Um diese Geschichte zum Abschluss zu bringen. Ein Kunde kam, um einen Rasenmäher zu kaufen und ich verkaufte ihm anstatt des Rasenmähers einen Anteil an der Firma. Jetzt kann er sich so viel Rasenmäher herstellen, wie er will :-) Wie ich meine, hat niemand verloren und alle sind Sieger. Vor allem die Kunden…


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